SAP Enable Now & WalkMe: So geht es weiter

Christian Gronowski
26. Mai 2026
(Artikel aktualisiert im Mai 2026)
Die Übernahme von WalkMe durch SAP hat insbesondere bei langjährigen Nutzenden von SAPs Enable Now für Überraschung gesorgt. Wie geht es nun weiter?
Das war schon eine Ankündigung mit Knalleffekt: Statt das vertraute Tool Enable Now für Schulungsinhalte, Dokumentation und Simulationen weiterzuentwickeln, hat SAP WalkMe akquiriert. WalkMe ist eine Plattform für In-App-Nutzerführung und digitale Prozessunterstützung. Und sie basiert auf einer völlig anderen Software-Architektur.
Über die Stärken und Grenzen dieses neuen Tools sprechen wir in unserem Beitrag SAP WalkMe: Warum es kein Ersatz für ein Schulungskonzept ist.
Doch es gab noch eine weitere Ankündigung, die für Unsicherheiten sorgte. SAP will Enable Now nämlich nicht weiterentwickeln. Wartung gibt es nur noch bis 2030. Das bedeutet: SAP Enable Now befindet sich im letzten Lifecycle-Abschnitt und wird strategisch durch WalkMe Learning Arc ergänzt und perspektivisch abgelöst.
Das kam überraschend.
Und es wirft Fragen auf. Nicht nur für bestehende Nutzende, sondern auch für Kunden, die vor der Entscheidung stehen, eines der beiden Tools einzusetzen. Insbesondere, was mit bestehenden Enable-Now-Inhalten passiert, sorgte lange für Unklarheit.
Inzwischen zeichnet sich jedoch deutlicher ab, wohin die Reise geht: SAP positioniert WalkMe Learning Arc als Nachfolger für den Bereich Digital Learning. Bestehende Enable-Now-Lerninhalte sollen dabei weiterhin nutzbar, bearbeitbar und teilweise sogar als neue Microlearning-Inhalte übernommen werden können.
In unserem Beitrag versuchen wir, Licht ins Dunkel zu bringen, und geben eine Antwort auf die Frage: Wie geht es mit Enable Now und WalkMe weiter?
Wie funktionieren Enable Now und WalkMe?
Der Nutzen von Enable Now und WalkMe liegt zwar nah beieinander, dennoch unterscheiden sich beide Tools in Anwendung und Zielsetzung:
SAP Enable Now ist die führende Digital Adoption Platform und dient der Schulung von SAP. Das Tool hilft, strukturierte Lerninhalte zu erstellen. Mit denen können sich Nutzende vorab anhand von Simulationen und E-Learnings mit komplexen Anwendungen vertraut machen – beispielsweise bei SAP-Systemeinführungen und anspruchsvollen Prozessschulungen.
Bei vielen SAP-Kunden spielt Enable Now daher eine wichtige Rolle in Trainings und ist tief in Change-Management-Prozesse integriert.
WalkMe ist hingegen eine Plattform für digitale Nutzerführung. Sie unterstützt In-App – also direkt in der Software – mit interaktiven Hilfen und führt Schritt-für-Schritt durch Prozesse oder erklärt Eingaben. WalkMe fokussiert sich auf digitale Adoption beim Onboarding oder Softwaretraining im Live-System – nicht auf die Erstellung von Lerninhalten oder Enterprise Content Management (ECM).
Es gibt einen weiteren Unterschied beider Schulungstools: WalkMe ist ausschließlich in der Cloud verfügbar, anders als Enable Now, das hybrid nutzbar ist, mit einer Cloud-Komponente und einer Desktop-Anwendung. Die Cloud-Nutzung ist insbesondere für regulierte Branchen (Pharma, Finance, öffentlicher Sektor) ein Compliance-Thema.
Was sind die Herausforderungen?
Die beiden Lösungen konkurrieren nicht direkt, sondern ergänzen sich – und genau deshalb verfolgt SAP das Ziel, sie perspektivisch zusammenzuführen. Strategisch ist das nachvollziehbar. Operativ bleibt dieser Übergang jedoch anspruchsvoll, denn die Systeme unterscheiden sich technologisch, funktional und architektonisch deutlich voneinander.
Das sind die wichtigsten Punkte:
- Unterschiedliche Inhalte und Formate: WalkMe arbeitet mit In-App-Nutzerführung direkt im System. SAP Enable Now hingegen wurde vor allem für klassische Lerninhalte, Dokumentationen und Simulationen entwickelt. Lange war unklar, wie bestehende Enable-Now-Inhalte künftig weitergenutzt werden können. Inzwischen hat SAP jedoch konkreter dargelegt, dass bestehende Digital-Learning-Inhalte in WalkMe Learning Arc übernommen, abgespielt und weiterbearbeitet werden können. Ausgewählte Inhalte sollen sich sogar als neue Microlearning-Formate weiterverwenden lassen. Dennoch bleibt die Migration bestehender Lernlandschaften ein komplexes Thema.
- Unterschiedliche Architekturen: Auch technisch unterscheiden sich beide Plattformen erheblich. SAP Enable Now ist eng an die klassische SAP-Systemlandschaft angebunden. WalkMe hingegen basiert auf einer modernen Cloud- und Digital-Adoption-Architektur. Eine vollständige Zusammenführung beider Welten ist deshalb nicht einfach möglich. Zudem ist derzeit noch offen, wie sich bestimmte Funktionen langfristig entwickeln oder ersetzen lassen.
- Technologischer Fokus auf KI und Nutzungsdaten: Der größte Wert von WalkMe liegt für SAP im Bereich Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Nutzungsanalyse. Das dürfte ein zentraler Grund für die Akquise des Tools gewesen sein. Die Plattform erkennt, wo Unterstützung benötigt wird, und wertet das Nutzungsverhalten aus. Diese Daten können entscheidend dabei helfen, Prozesse zu optimieren.
- Zwei Plattformen sind keine Lösung: An einer wie auch immer gearteten Zusammenlegung führt mittelfristig kein Weg vorbei. SAP-Kunden werden dauerhaft wohl kaum bereit sein, zwei unterschiedliche Systeme parallel zu nutzen und doppelten Content zu erstellen. Die Ankündigung des Designfreeze spricht da bereits eine deutliche Sprache. Aber:
- Langer Übergang statt harter Schnitt: Inzwischen zeichnet sich ab, dass SAP eher auf einen schrittweisen Übergang als auf eine abrupte Ablösung setzt. Enable Now wird zwar nicht mehr strategisch weiterentwickelt, bleibt aber noch mehrere Jahre im Support. Gleichzeitig positioniert SAP WalkMe Learning Arc klar als Zukunftsplattform für Digital Learning und Digital Adoption. Für Unternehmen stellt sich deshalb vor allem die Frage, wie sich bestehende Lerninhalte, Prozesse und Schulungskonzepte sinnvoll weiterentwickeln lassen.
Wie SAP die beiden Lösungen langfristig zusammenführt, bleibt weiterhin spannend. Für die Nutzenden ist dabei die Frage entscheidend, wie reibungslos die Migration bestehender Inhalte und Lernprozesse tatsächlich funktioniert.
Meinung: Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar. Themen wie KI-gestützte Nutzerführung, kontextbezogenes Lernen und datenbasierte Prozessoptimierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Gerade Bestandskunden benötigen bei solchen technologischen Veränderungen klare Orientierung, realistische Übergangsszenarien und mehr Unterstützung bei der Transformation bestehender Lernlandschaften.
Welche Alternativen gibt es?
Aufgrund der derzeit offenen Fragen hinsichtlich der Zukunft von Enable Now prüfen viele Unternehmen Alternativen für digitale Schulung und Nutzerunterstützung. Drei Anbieter werden hier häufig genannt.

Assima bietet eine leistungsstarke Plattform, mit der interaktive Simulationen und klonbasierte Schulungsinhalte erstellt werden können. Assimas “Cloning Technology” bedeutet, dass reale Oberflächen kopiert und bearbeitet werden können, ohne tatsächlichen Zugriff auf das Live-System. Das System ist sehr anspruchsvoll und nicht ohne Schulung nutzbar. Auch können bestehende Enable-Now-Inhalte nicht direkt übernommen werden.

Datango unterstützt Anwendende direkt im System mit kontextbezogenen Hilfen, interaktiven Anleitungen und Dokumentation von Prozessschritten. Es wird derzeit als die beste Enable-Now-Alternative angesehen. Nicht zuletzt deshalb, weil datango den Enable-Now-Content weitestgehend übernehmen kann. Allerdings unterscheiden sich Benutzeroberfläche und Funktionslogik doch deutlich.

TTS Performance Suite kombiniert strukturierte Lerninhalte, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und In-App-Unterstützung in einer einzigen Plattform. Die Lösung ist auf SAP-Prozesse abgestimmt und bestehende Inhalte können zum Teil übernommen werden. Allerdings erfordert ein Systemwechsel ein gezieltes Setup und eine klare Migrationsstrategie.
Alles in allem ist ein Umstieg zwar möglich, aber mit erheblichem Aufwand und nicht unerheblichen Kosten verbunden. Daher ist für Bestandskunden derzeit Abwarten der vernünftigste Weg.
Wird es eine Migration von SAP Enable Now zu WalkMe geben?
Ja. SAP hat inzwischen deutlich konkreter kommuniziert, wie der Übergang von SAP Enable Now zu WalkMe Learning Arc aussehen soll. Während lange unklar war, was mit bestehenden Lerninhalten passiert, spricht SAP mittlerweile ausdrücklich von einer „Transition“ bestehender Digital-Learning-Inhalte in die neue Plattform.
Nach aktuellem Stand sollen bestehende SAP Enable Now Digital-Learning-Inhalte in WalkMe Learning Arc:
- gehostet,
- abgespielt und
- weiterbearbeitet
werden können. Ausgewählte Inhalte sollen sich zudem als neue Microlearning-Objekte in WalkMe Learning Arc weiterverwenden lassen. SAP betont dabei ausdrücklich, dass bestehende Inhalte nicht verloren gehen sollen.
Wichtig ist allerdings die Einschränkung: Diese Übergangslösung betrifft ausschließlich Digital-Learning-Inhalte aus SAP Enable Now. Inhalte aus SAP Companion und klassische Digital-Adoption-Funktionen wie Guided Tours oder Hotspots sind davon derzeit ausgenommen.
Für Enable-Now-Bestandskunden bedeutet das:
- Bestehende Lerninhalte müssen nicht vorschnell abgeschrieben werden.
- Die Weiterentwicklung bestehender Inhalte bleibt vorerst sinnvoll.
- Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre Lernlandschaften und Inhalte systematisch analysieren und bewerten, welche Formate sich künftig für WalkMe Learning Arc eignen.
- Zusätzlich wird es immer wichtiger, Kompetenzen rund um Digital Adoption, In-App-Guidance und KI-gestützte Lernprozesse aufzubauen.
Unsere Einschätzung lautet deshalb weiterhin: Nicht hektisch reagieren – aber den Übergang aktiv vorbereiten.
Was sollten SEN und WalkMe User jetzt tun?
Kurzfristig: Ruhe bewahren, aber strategisch planen
Die größte Unsicherheit der vergangenen Monate scheint sich etwas zu entschärfen. SAP arbeitet sichtbar daran, Bestandskunden einen möglichst risikoarmen Übergang zu ermöglichen. Die offiziellen Aussagen deuten darauf hin, dass bestehende Lerninhalte weiterhin nutzbar bleiben und nicht vollständig neu aufgebaut werden müssen.
Dennoch sollten Unternehmen die verbleibende Supportlaufzeit von Enable Now nicht mit einem Stillstand verwechseln. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, bestehende Inhalte, Lernprozesse und Governance-Strukturen kritisch zu prüfen.
Mittelfristig: Bestehende Inhalte gezielt bewerten
Auch wenn SAP inzwischen konkrete Übergangsszenarien beschreibt, bedeutet das nicht automatisch, dass jede bestehende Lernlandschaft unverändert übernommen werden kann.
Unternehmen sollten daher frühzeitig prüfen:
- Welche Inhalte weiterhin relevant sind
- Welche Formate modernisiert werden sollten
- Wo sich klassische Schulungsinhalte künftig stärker mit In-App-Unterstützung verbinden lassen
- Welche Inhalte sich für Microlearning eignen
Denn WalkMe Learning Arc verfolgt insgesamt einen stärker kontextbezogenen und KI-gestützten Lernansatz als SAP Enable Now.
Langfristig: Vorbereitung auf die neue Lern- und Adoption-Welt
Mit WalkMe Learning Arc verfolgt SAP klar die Strategie, Lernen, digitale Adoption und KI-gestützte Nutzerunterstützung enger miteinander zu verbinden.
Die Plattform soll:
cloudbasiert arbeiten,
moderne Analytics- und KI-Funktionen integrieren,
kontextbezogenes Lernen ermöglichen und
Lerninhalte direkt im Arbeitsprozess bereitstellen.
Mehr zur neuen Plattform haben wir in dem Beitrag SAP WalkMe Learning Arc: Funktionen, Vorteile und Unterschiede zusammengefasst. Damit verändert sich nicht nur die Technologie, sondern auch die Art, wie Unternehmen Lernen und Enablement künftig denken müssen.
Viele Details zur langfristigen Plattformstrategie bleiben zwar noch offen. Gleichzeitig wirkt die Kommunikation von SAP inzwischen deutlich konkreter und verbindlicher als noch vor einigen Monaten.
Vieles spricht deshalb dafür, dass SAP den Übergang schrittweise gestalten will – und bestehende Enable-Now-Kunden dabei stärker mitnehmen möchte als ursprünglich befürchtet.



