SAP Enable Now & WalkMe: So geht es weiter

Christian Gronowski
21. August 2025
Die Übernahme von WalkMe durch SAP hat insbesondere bei langjährigen Nutzenden von SAPs Enable Now für Überraschung gesorgt. Wie geht es nun weiter?
Das war schon eine Ankündigung mit Knalleffekt: Statt das vertraute Tool Enable Now für Schulungsinhalte, Dokumentation und Simulationen weiterzuentwickeln, hat SAP WalkMe akquiriert. WalkMe ist eine Plattform für In-App-Nutzerführung und digitale Prozessunterstützung. Und sie basiert auf einer völlig anderen Software-Architektur.
Über die Stärken und Grenzen dieses neuen Tools sprechen wir in unserem Beitrag SAP WalkMe: Warum es kein Ersatz für ein Schulungskonzept ist.
Doch es gab noch eine weitere Ankündigung, die für Unsicherheiten sorgte. SAP will Enable Now nämlich nicht weiterentwickeln. Wartung gibt es nur noch bis 2030.
Das kam überraschend.
Und es wirft Fragen auf. Nicht nur für bestehende Nutzende, sondern auch für Kunden, die vor der Entscheidung stehen, eines der beiden Tools einzusetzen. Insbesondere, was mit den bestehenden Enable-Now-Inhalten passiert, sorgt für Unklarheit.
In unserem Beitrag versuchen wir Licht ins Dunkel zu bringen und geben eine Antwort auf die Frage: Wie geht es mit Enable Now und WalkMe weiter?
Wie funktionieren Enable Now und WalkMe?
Der Nutzen von Enable Now und WalkMe liegt zwar nah beieinander, dennoch unterscheiden sich beide Tools in Anwendung und Zielsetzung:
SAP Enable Now ist die führende Digital Adoption Platform und dient der Schulung von SAP. Das Tool hilft, strukturierte Lerninhalte zu erstellen. Mit denen können sich Nutzende vorab anhand von Simulationen und E-Learnings mit komplexen Anwendungen vertraut machen – beispielsweise bei SAP-Systemeinführungen und anspruchsvollen Prozessschulungen.
Bei vielen SAP-Kunden spielt Enable Now daher eine wichtige Rolle in Trainings und ist tief in Change-Management-Prozesse integriert.
WalkMe ist hingegen eine Plattform für digitale Nutzerführung. Sie unterstützt In-App – also direkt in der Software – mit interaktiven Hilfen und führt Schritt-für-Schritt durch Prozesse oder erklärt Eingaben. WalkMe fokussiert sich auf digitale Adoption beim Onboarding oder Softwaretraining im Live-System – nicht auf die Erstellung von Lerninhalten oder Enterprise Content Management (ECM).
Es gibt einen weiteren Unterschied beider Schulungstools: WalkMe ist ausschließlich in der Cloud verfügbar, anders als Enable Now, das hybrid nutzbar ist, mit einer Cloud-Komponente und einer Desktop-Anwendung. Die Cloud-Nutzung ist insbesondere für regulierte Branchen (Pharma, Finance, öffentlicher Sektor) ein Compliance-Thema.
Was sind die Herausforderungen?
Die beiden Lösungen konkurrieren nicht direkt, sondern ergänzen sich – und genau deshalb will SAP sie perspektivisch zusammenführen. Strategisch ist das sinnvoll. Operativ ist das aber aufgrund der technologischen, inhaltlichen und architektonischen Unterschiede der beiden Systeme nicht ohne Weiteres machbar.
Das sind die wichtigsten Reibungspunkte:
- Unterschiedliche Inhalte und Formate: WalkMe arbeitet mit Live-Nutzung im System. Enable Now bietet dagegen Simulationen oder Lerninhalte. Der größte Stopper derzeit ist, dass die bestehenden Enable-Now-Inhalte nicht einfach in das andere System übertragen werden können. Die Frage der Migration sorgt aktuell für Verunsicherung.
- Unterschiedliche Architekturen: Auch technisch ist eine Verschmelzung der Plattformen nicht ohne Weiteres machbar. SAP Enable Now ist tief in die SAP-Systemlandschaft integriert. WalkMe hingegen ist eine moderne Cloud-Lösung und nicht in die SAP-Architektur eingebettet. Eine Zusammenführung würde erheblichen Entwicklungsaufwand bedeuten und selbst dann würden nicht alle Funktionalitäten im gewohnten Umfang weiterbestehen können.
- Technologischer Vorsprung: Der größte Wert von WalkMe liegt für SAP im Bereich Künstliche Intelligenz und Nutzungsanalyse. Das dürfte ein zentraler Grund für die Akquise des Tools gewesen sein. Die Plattform erkennt, wo Unterstützung benötigt wird und wertet das Nutzungsverhalten aus. Diese Daten können entscheidend dabei helfen, Prozesse zu optimieren.
- Zwei Plattformen sind keine Lösung: An einer wie auch immer gearteten Zusammenlegung führt mittelfristig kein Weg vorbei. SAP-Kunden werden dauerhaft wohl kaum bereit sein, zwei unterschiedliche Systeme parallel zu nutzen und doppelten Content zu erstellen. Die Ankündigung des Designfreeze spricht da bereits eine deutliche Sprache.
Wie SAP die beiden Lösungen zusammenführt, bleibt abzuwarten. Für die Nutzenden ist dabei die Frage der Migration bestehender Inhalte entscheidend.
Meinung: SAP hat den richtigen Weg eingeschlagen – Enable Now war einfach nicht mehr zeitgemäß. Schade ist, dass Bestandskunden bei solchen Veränderungen oft zu wenig Unterstützung bekommen. Hier wäre mehr Begleitung wünschenswert.
Welche Alternativen gibt es?
Aufgrund der derzeit offenen Fragen hinsichtlich der Zukunft von Enable Now prüfen viele Unternehmen Alternativen für digitale Schulung und Nutzerunterstützung. Drei Anbieter werden hier häufig genannt.

Assima bietet eine leistungsstarke Plattform, mit der interaktive Simulationen und klonbasierte Schulungsinhalte erstellt werden können. Assimas “Cloning Technology” bedeutet, dass reale Oberflächen kopiert und bearbeitet werden können, ohne tatsächlichen Zugriff auf das Live-System. Das System ist sehr anspruchsvoll und nicht ohne Schulung nutzbar. Auch können bestehende Enable-Now-Inhalte nicht direkt übernommen werden.

Datango unterstützt Anwendende direkt im System mit kontextbezogenen Hilfen, interaktiven Anleitungen und Dokumentation von Prozessschritten. Es wird derzeit als die beste Enable-Now-Alternative angesehen. Nicht zuletzt deshalb, weil datango den Enable-Now-Content weitestgehend übernehmen kann. Allerdings unterscheiden sich Benutzeroberfläche und Funktionslogik doch deutlich.

TTS Performance Suite kombiniert strukturierte Lerninhalte, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und In-App-Unterstützung in einer einzigen Plattform. Die Lösung ist auf SAP-Prozesse abgestimmt und bestehende Inhalte können zum Teil übernommen werden. Allerdings erfordert ein Systemwechsel ein gezieltes Setup und eine klare Migrationsstrategie.
Alles in allem ist ein Umstieg zwar möglich, aber mit erheblichem Aufwand und nicht unerheblichen Kosten verbunden. Daher ist für Bestandskunden derzeit Abwarten der vernünftigste Weg.
Wird es eine Migration von SAP Enable Now zu WalkMe geben?
Ja, SAP hat offiziell angekündigt, dass es einen Übergang (Transition Path) von Enable Now zu WalkMe schaffen wird, sobald die neue Lösung kommt. Das haben Verantwortliche innerhalb der SAP-Community auch noch einmal bestätigt. Konkrete Details kennen wir aber derzeit (Juli 2025) noch nicht.
Enable Now-Bestandskunden können so vorgehen:
- Fortsetzung der Content-Erstellung bis 2030 ohne Bedenken, dabei aber
- bestehende Inhalte systematisch erfassen und
- bezüglich der Migration bewerten.
- Bereits jetzt abklären, wo WalkMe ergänzend eingesetzt werden kann – sofern das nicht bereits erfolgt ist - und die entsprechende Kompetenz aufbauen.
Insgesamt raten wir derzeit: Abwarten, aber nicht untätig sein. So können Unternehmen flexibel auf weitere Schritte von SAP reagieren.
Was sollten SEN und WalkMe User jetzt tun?
Kurzfristig: Keine Panik, SAP arbeitet aktiv an einer Lösung. Sie heißt Next Generation Digital Adoption and Enablement Suite.
Mittelfristig: Übergangslösung
In der Übergangsphase ist eine Migration von SAP Enable Now zu WalkMe sinnvoll. Das allerdings ist nur eingeschränkt möglich und keine echte Inhaltsmigration, da beide Systeme zu unterschiedliche Formate, Technologien und Nutzungskonzepte haben. Das bedeutet: Das jeweilige Unternehmen müsste Inhalte neu erstellen und an WalkMe anpassen. SAP prüft aber derzeit, ob bestehende Inhalte zumindest anzeigbar (renderbar) gemacht werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie aber danach nicht mehr angepasst werden können. Und bei diesen Überlegungen geht es vor allem um den Companion-Teil, die In-App-Hilfe von Enable Now.
Für viele Nutzende ist die Übergangslösung daher unattraktiv.
Langfristig: Umstieg auf die neue Plattform
Die Next Generation Digital Adoption and Enablement Suite wird WalkMe, digitale Adoption, Analytics und Lernfunktion integrieren. Hier wird es aller Voraussicht nach die Möglichkeit der Migration bestehender Inhalte von Enable Now geben. Die neue Plattform soll cloudbasiert sein und eine offene Architektur besitzen, sodass auch andere Systeme außerhalb von SAP angebunden werden können.
Derzeit (Juli 2025) sind detaillierte Angaben wie unterstützte Formate oder Zeitpläne noch nicht verfügbar.
Die Zurückhaltung seitens SAP ist verständlich, schließlich sollten keine Versprechen gemacht werden, die nachher nicht haltbar sind. Doch auch die Nervosität der SAP-Nutzenden ist nachvollziehbar, vor allem, da einzelne Ablaufdaten im Raum stehen ohne verbindliche Zeit- und Migrationspläne.
Vieles deutet allerdings darauf hin, dass bis zum Launch der neuen Suite die bestehenden Unsicherheiten ausgeräumt sind und mit der neuen Lösung technologische neue Maßstäbe gesetzt werden.
Digitale Adoption beschreibt die Fähigkeit von Anwendenden, neue digitale Tools und Systeme effektiv, effizient und eigenständig zu nutzen und im Arbeitsalltag produktiv anzuwenden.
- SAP Enable Now ist ein Tool zur Erstellung von strukturierten Lerninhalten wie Simulationen, Büchern und Book Pages – vor allem für klassische Schulungen im SAP-Umfeld.
- WalkMe bietet kontextbezogene Nutzerführung direkt im System – mit Tooltips, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, In-App-Hilfe und Nutzerführung während der Arbeit, besonders für browserbasierte Anwendungen.
SAP plant eine Next Generation Digital Adoption and Enablement Suite, die WalkMe, Analytics und Lernfunktionen in einer modernen, cloudbasierten Plattform vereint. Ziel ist eine zukunftssichere Lösung, die SAP- und Nicht-SAP-Systeme gleichermaßen unterstützt.
Jein, SAP hat zwar einen Transition Path angekündigt, eine automatische technische Migration der Inhalte ist jedoch nicht möglich. Bestehende Lerninhalte aus Enable Now müssen manuell neu erstellt oder konzeptionell übertragen werden.
Nein. Aktuell gibt es keine Möglichkeit zur automatischen Migration. SAP prüft, ob eine Darstellung („Rendering“) bestehender Inhalte in WalkMe technisch umsetzbar ist, allerdings ohne Bearbeitungsfunktion.
- WalkMe ist rein cloudbasiert, eine On-Premise-Nutzung ist nicht vorgesehen.
- Auch die neue SAP-Plattform wird cloud-native sein.
- Bestehende On-Premise-Nutzungen von Enable Now müssen mittelfristig auf die Cloud umgestellt werden.
- Für regulierte Branchen (z. B. Pharma, öffentlicher Dienst) bedeutet das: Datenschutz, Hosting-Standorte und Compliance-Anforderungen müssen neu bewertet werden.
Ja. WalkMe ist systemunabhängig und kann in beliebigen browserbasierten Anwendungen eingesetzt werden – etwa Salesforce, Workday oder internen Web-Anwendungen.
- Inhalte erfassen und priorisieren
- Nutzung und geschäftliche Relevanz bewerten
- Erste WalkMe-Pilotprojekte durchführen
- Internes Know-how für digitale Adoption aufbauen
- SAP-Updates aktiv verfolgen
Geplant ist ein Start ab 2026, mit Pilotkundenphasen ab Ende 2025.
Ein End-of-Life-Termin wurde noch nicht genannt. SAP wird die Plattform mittelfristig weiter unterstützen, empfiehlt aber eine kontrollierte Vorbereitung auf den Umstieg.



